Veilchen für Josephine

Alle Düfte sind wunderbar und einzigartig, aber immer wieder gibt es welche, die einen durch besondere Eigenarten verblüffen. Und die dann auch oft genug diejenigen sind, die von Parfumeuren weltweit besonders geliebt werden. Und von den Frauen, die dieses Parfum dann tragen.

Solch ein besonderer Duft ist der von Veilchen. Veilchen sind ja an sich schon als kleine Vorboten etwas Besonderes. Wenn sie erscheinen, dann ist endlich richtig Frühling. Sie verstecken sich gern im Moos, lieben Schatten mehr als Sonne, man muss sie suchen und finden. Und schon ihre Farbe, lila, ist eine, die eher seltener in der Natur vorkommt unter all dem Gelb und Rot an Blüten.

Josephine, die frühere Gemahlin von Kaiser Napoleon liebte den Duft. Ein Veilchenparfum war ihr Markenzeichen, und als sie starb, ließ Napoleon Veilchen auf ihr Grab pflanzen. Als er dann nach St. Helena verbannt wurde, nahm er eines mit, presste es und trug es in einem Medaillon.

Aber warum ist der Duft von Veilchen so besonders?

Weil er sich immer wieder versteckt. Unseren Geruchssinn zwischendurch immer wieder ausschaltet. Mal riechen wir den Duft, im nächsten Moment nicht, dann wieder. Veilchenduft lässt sich nicht manipulieren. Und dass dies einer selbstbewussten Frau wie Josephine gefallen hat, kein Wunder, oder? In der einen Sekunde wirkt der Duft fast betäubend, in der nächsten ist er einfach weg. Verdeckte Sinnlichkeit.

Auch die alten Athener waren wohl angetan davon, denn man entdeckt Veilchen in ihrem Stadtwappen.

Leider kann man aus Veilchen kein ätherisches Öl herstellen. Wenn wir es ungefähr haben wollen, greifen viele Therapeuten auf die sehr ähnliche Iris zurück. Was aber möglich ist, Veilchenblütentee. In vielen Ländern wird dieser oder auch Veilchenhonig bei Husten und Erkrankungen der Atemwege verwendet. Vor allem Kinder mögen Veilchenhonig sehr gern.

Und noch ganz neue Erkenntnisse gibt es aus der Medizin. Offenbar reagieren Prostatazellen auf den Duft von Veilchen. Das zumindest hat man in Bochum unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Dr. Hanns Hatt herausgefunden. (Er hat tatsächlich drei Doktortitel, ich stottere nicht;-)) Dass Spermien auf den Duft von Maiglöckchen reagieren, ist ja schon lange bekannt, nun aber weiß man, Prostatazellen reagieren auf Veilchenduft (natürlich auf bestimmte Substanzen darin). Man hofft auf neue Möglichkeiten bei Prostatakrebs.

Wenn wir also schon bald wieder draußen Veilchen sehen, dürfen wir sie genießen aber auch mit sehr viel Respekt und Ehrfurcht betrachten. Sie sind offenbar viel mehr als nur Frühlingsboten.